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Am Abort leises Schimpfen

Ein Fußball auf dem Wackeltisch: eine Kunstinstallation von Serge Spitzer. Foto: Matthias Bernold

Ein Fußball auf dem Wackeltisch: eine Kunstinstallation von Serge Spitzer. Foto: Matthias Bernold

Von WZ-Korrespondent Matthias G. Bernold

Aufzählung Ausstellung Phänomen Fußball in Manhattan.
Aufzählung Österreichische Künstler in New York.

New York. Am Herrenklo wird gar nicht geschimpft. Auf der Damentoilette wird zwar geschimpft. Aber man hört es kaum: Zu leise.

Wir befinden uns im österreichischen Kulturforum in New York. Forums-chef Andreas Stadler und Kurator Jürgen Weisshäupl unternehmen gerade den letzten Rundgang, bevor die aktuelle Austellung Bread And Soccer eröffnet wird.

Die Schimpftiraden mit den technischen Anlaufschwierigkeiten gehören zur Installation von Julius Deutschbauer. Der österreichische Künstler will den Ausstellungsbesucher mit eben jenen Verbalinjurien beschallen, die dieser im Stadion sonst vielleicht anderen entgegen schleudert. Für das Projekt hat er Schimpftiraden der Fans in mehreren Sprachen gesammelt und von Schauspielern auf Band sprechen lassen.

"Das Fußballstadion", meint Deutschbauer zur "Wiener Zeitung", "ist der einzige Ort, an dem Schimpfen zur Etikette gehört. Sogar der Bundespräsident darf hier Arschloch schreien".

Im zweiten Stock des Kulturforums – das Gebäude befindet sich in der 52. Straße Manhattans – wackelt und wippt ein knallroter Tisch. Ein altmodischer, brauner Lederfußball rollt auf der etwa zwei mal drei Meter großen Platte. Sensoren ermitteln die Position des Balles und kippen die Fläche entsprechend, um ein Fallen der Kugel zu verhindern.

Publikums-Provokation

"Sieh dir einmal das an", sagt Stadler und wirft den Fußball mit Schwung auf die Fläche. Der Tisch – es ist Kunst von Serge Spitzer – ist sichtlich gefordert und schwenkt die sensible Fläche wild auf und ab und nach links und nach rechts. Vergebens. Der Ball kugelt über die Kante. "Manchmal schafft er es", entschuldigt sich Stadler.

In der Ausstellung im Jahr der Euro will sich Stadler kritisch mit Fußball als Massenphänomen auseinandersetzen. Nach der provokanten Schau über die Propagandamaschinerie der Nazis hat er wieder einen Schocker für das mitunter recht zerbrechliche amerikanische Publikum parat.

Im Kellergeschoß des Ausstellungsbereichs läuft nämlich ein 15-Minutenvideo einer der bewährten Nackte-Menschen-Installationen von Spencer Tunick. Der enthüllte zuletzt Tausende im Ernst Happel-Stadium. "Das wird ihnen wieder nicht passen", freut sich Stadler und lacht über beide Ohren, "da werden wir wieder eine Warnung aufhängen müssen, damit die Leute nicht zu sehr schockiert sind."



Printausgabe vom Freitag, 30. Mai 2008
Online seit: Donnerstag, 29. Mai 2008 18:21:08

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